Komme Auf Die

Dunkle Seite Der Macht!

Gegen die Infamitäten des Lebens sind die besten Waffen: Tapferkeit, Eigensinn und Geduld.

Die Tapferkeit stärkt, der Eigensinn macht Spaß und die Geduld gibt Ruhe. Hermann Hesse (1877 - 1962)

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Rasender Falke - Die Wahrheit Teil 5 von 7


Wenn man die Technik, die Abläufe und die daraus entstehenden Notwendigkeiten nicht verinnerlicht hat, können schnell reine Fantasieentwürfe entstehen, die wenig überzeugen wirken und schlecht altern:

He, Moment, zwei dieser Absurditäten gibt es ja tatsächlich… unglaublich.


Der Gestalter muss verstehen, wie sich Dinge in (ausgedachten) Technikwelten fügen, um überzeugend zu wirken.

So hat Roger Christian (sieht ein wenig aus wie eine nette Version von Tony Montana auf diesem Foto) stets bei der Gestaltung der Requisiten seine technische Erfahrung genutzt, um all die Kabel, Schalter, Schläuche, Turbinen- und Flugzeugteile und Bedienhebel schichtweise so aufzubauen, dass sich eine Maschinerie entwickelte, die überzeugend wirkt, wohingegen das planlose Aneinanderreihen von Teilen keine Wirkung erzielt, die funktioniert.
Als unfaires Beispiel hier eine (von einem Kind gestaltete) schlechte Version der Greeblies (bekannte Teile neu arrangiert, um technisch zu wirken) im Gegensatz zur Oberfläche des Falken mit all den sehr bedacht arrangierten Elementen, Rohren und Verkleidungen, die aus Panzerrädern, V-8-Motorbausätzen und Kanonenrohren besteht.

der Graflex Blitzapparat, Roger Christian, das iPad aus 2001 (mit ein paar absichtlichen Rechtschreibfehlern im Text), ein Greeblie-Versuch, eine Reihe von etwas unglücklich gewählten Alltagsgegenständen (Bügeleisen aus Raumpartrouille Orion/ , Damenrasierer Gillette Sensor Excel for Women in Episode I – Die dunkle Bedrohung, Ak-47 in Andor, Eismaschine Hamilton Beach Ice Cream Maker 68330 getragen vom sprichwörtlichen Running Gag Wilrow Hood in Episode V – Das Imperium schlägt zurück) ein Zitat aus dem Auktionskatalog von Hans-Kurt Langes Nachlass

 

Die Greeblies wurden derart künstlerisch vollendet arrangiert, dass z.B. dieser Teil des Rasenden Falken von hingebungsvollen Fans ganz poetisch „mechanischer Wasserskorpion“ genannt wird. Herr Christian hat ja auch u.a. aus alten Fotoblitzen die Lichtschwerter gestaltet und für seine Arbeit einen Oscar erhalten. Dieses Nutzen von Alltagsgegenständen war nicht dem Budget geschuldet: Geld war grundsätzlich vorhanden (nochmals zum Vergleich: Westworld Budget 1973: 1,2 Mio. USD, Star Wars 1977: 11,0 Mio. USD). Aber all die Details, Formen und Oberflächen komplett neu so zu gestalten, dass sie überzeugend wirken, futuristisch und gleichzeitig vertraut, das ist einfach unmöglich in der vorgegeben Zeit und in dem benötigten Umfang. Man hat also damals nicht zu wenig Geld in die Hand genommen, im Gegenteil: man hat die maximale Wirkung herausgeholt aus dem Budget.



hier habe ich den Lichtschwertgriff einmal als Raumschiff in Szene gesetzt.


Die praktischen Effekte von Hiroshi Sumi (aka kyabetsumade), die er zur Inszenierung seiner bewegenden Millennium-Falcon-Hommage ("Voice of a Star Wars Fan (with English subtitles) Reduced version") nutzte, sind unfassbar beeindruckend.




Aber zurück zu Herrn Hans-Kurt Lange (* 7. Dezember 1930 in Eisenach, Thüringen; † 22. Mai 2008 in Oxford, England):

Herr Lange hat ja 2001 maßgeblich gestaltet und mit seinem Sachverstand und seiner Erfahrung dafür gesorgt, dass die Technik derart logisch und funktional wirkte, dass sie selbst heute noch gut aussieht und einige Dinge sich sogar in Realität verwandelt haben. Ein Ipad zum Beispiel. Oder die Cockpits. Oder die kleinen, schwarzen Monolithen, die bei Berührung Wissen spenden. Handys eben. (Wer jetzt glaubt, dass die schicken Touchscreens der modernen Raumkapseln ein Fortschritt gegenüber der unübersichtlichen Zahl von Kippschaltern der Apolloraumschiffe von 1969 seien, liegt falsch. Denn der erdnahe Orbit ist in wenigen Minuten erreicht und die "Astronauten" müssen rein gar nichts machen während des Flugs. Alle Instruktionen werden vom Boden aus gesteuert. Ein Apolloraumschiff hingegen reist nicht nur 400 km bis zum Orbit, sondern fast 400.000 km bis zum Mond. Instruktionen per Funk erreichen in Mondnähe die Apolloapparatur erst nach 1,3 Sekunden und hinter dem Mond sogar gar nicht. Einer Notsituation im Orbit kann einfach begegnet werden, indem die Landung eingeleitet wird. Ein Notlandung vom Mond aus ist nicht möglich, denn es dauert einige Tage, bis die Erde erreicht wird. Wenn nun also eine Notsituation eintritt und die Stromversorung einbricht oder mit schwankenden Leistungen Elektronik- und Steuerungsprobleme verursacht, Flüssigkeiten im Inneren der Raumkapsel herumschweben, die Temperaturen sinken und sich Feuchtigkeit an den Oberflächen niederschlägt durch Kondensation oder das Raumschiff anfängt, unkontrolliert um die eigene Achse zu rotieren, dann sind Notmaßnahmen schnell einzuleiten per Eingaben in die Systeme. Viel Glück ist notwendig, diese Eingaben in solchen Situationen per schickem Touchscreen hinzubekommen. Apollokippschalter sind unempfindlich, präzise, leicht zu bedienen und zudem ist das System innerhalb von Sekundenbruchteilen neustartfähig, wenn es drauf ankommt. Fancy Klickibuntiscreens brauchen ein paar Momente, bis sie laufen. Da ist es im All meist schon zu spät für irgendwas.).
Hier eine Illustration für die NASA. Die sich drehende, Gravitation erzeugende Raumstation, die der Space Station 5 (Ulalala!) aus 2001 gleicht, wurde von Herrn Lange gezeichnet.


Die Discovery (Gehirn mit Wirbelsäule) wurde auch von Herrn Lange entwickelt.

Logisch, denn so ziemlich alles in 2001 stammt von Herrn Lange. Aber dieses Raumschiff, das vorne auf der Wirbelsäule einen Kopf mit zwei Augen und drei Mündern, die sogar die Zunge herausstrecken können, besitzt, wird noch eine besondere Rolle einnehmen in diesem Essay. Diese Mondstadt-Ansicht (Clavius Moon Base) ist so gut gelungen, dass sie auch in Space 1999 (recht ähnlich klingender Name im Vergleich 2001: A Space Odyssey, wenn wir ehrlich sind) gezeigt wurde. Blöd nur, dass die Verbindung von 2001 zu 1999 so eng war, dass es zur Kollision der Designs der beiden Raumschiffe kam. Aber gut für uns, denn nur so ist ja der Falke entstanden. Das Alien Doomsday Raumschiff in 1999 sieht aus, als hätte jemand eine alte Discovery genommen und lieblos verändert. Brian Johnson hat bei 2001, 1999 und Star Wars (Episode V) gearbeitet und George Lucas versuchte erfolglos, ihn von 1999 bereits für Episode IV abzuwerben. Die Zusammenhänge zwischen 1999, Star Wars und 2001 waren also sehr weit ausgeprägt. Auch die Verwandtschaft von Moonbus (2001) und Eagle (1999) ist unübersehbar. Die EVA Pods wurden auch von Herrn Lange gestaltet. Diese haben ja einige Auftritte in Star Wars, wie wir bereits gesehen haben. Aber diese Pods wurden offenbar auch übernommen in die Gestaltung des ersten Piratenschiffs: Hier ein Entwurf des Pods, das selbst einem Kugelturmgeschütz (Ball Turret) stark ähnelt, im Rahmen des Designs der Discovery.

Wenn man die Kugel zwischen die Paneele am Heck schiebt

(und die Perspektive der Paneele so wahrnimmt, dass diese seitlich stromliniengünstig senkrecht stehen) ergibt sich… ein Tie-Fighter. Sogar das quaderförmige Heck eines Tie Vigilante/ Hasbro Spielzeug-Tie-Fighters mit Batteriefach ist erkennbar. Als Kontrast nochmals der Cantwell-Entwurf, das Modell und die endgültige Version. Bis ich den Discovery Entwurf sah, dachte ich, der Tie-Fighter (der Name entstand übrigens aufgrund der Ähnlichkeit zum skurrilen Krawattenersatz, die bei uns Fliege und im Englischen 'bow tie' genannt wird. Die später nachgeschobene Erkärung in Form der Abkürzung 'Twin Ion Engine' war ohnehin stets etwas deplatziert) sei eine Anlehnung an die Space Station 5 aus 2001: A Space Odyssey.

Hier der Entwurf von Herrn Lange für den Folter- und Verhördroiden.

Sieht aus wie der Todesstern, nicht wahr? Hier der Zusammenhang zwischen Verhördroid, Todesstern und Discovery One, der von John Lange bestätigt wird. Die Rettungskapsel aus Star Wars wurde von Lange entworfen und diese sieht exakt so aus wie die Fähre aus 2001. Die runde Gondel an der Vorderseite der Discovery sah in den Entwicklungsstudien aus wie die Jedi Training Remote.

 



Der Straßengleiter (V-35 Courier) in Mos Eisley wurde von wem gestaltet?

Richtig, von Herrn Lange. Das Gefährt stand sogar in der Garage von Lukes Onkel, Owen Lars (Philip Mortimer Brown).

Die Innenansichten des Rasenden Falken

Die Innenansichten des Rasenden Falken sind hier in einer Designstudie von Herrn Lange zu bewundern: um das Bild abzurunden hier ein C-3PO-Entwurf und der 2001 EVA-Pod-Greifarm, der wie R2-D2s Datenstecker aussieht.

Nun aber zurück zum Falken:

die Cockpitinstrumententafeln, die Oberflächengestaltung, die Navigationskonsole, die übrigens von der echten Skylab-Konsole (Apollo Telescope Mount Digital Computer) inspiriert wurde, Lasergeschütze, Landerampen, Cockpit, Landefüße, Tankschläuche und Stutzen: alles von Herrn Lange. Herrn Langes Einfluss war so groß, dass für die Sequels extra Harry Lange-Plakate ("Harry Lange Mood Boards") aufgehängt wurden, um seinen Stil nachzuempfinden.
Hat die Filme leider nicht retten können.
Er hat den Oscar für Setdesign übrigens nur deshalb an seinen Handlanger und eifrigen Schüler Roger Christian abtreten müssen, weil Langer nicht in der „Union“ war. Christian hingegen schon. Sad. Der Oscar wurde 1927 ursprünglich nur gegründet, um die Macht der aufkommenden Gewerkschaften zu beschneiden.

Seite 59 des Buchs "Star Wars The Blueprints": "The Falcon cockpit received all of Harry Lange's attention, who, according to Reynolds, made a "huge contribution" . He did so much that he was the unsung hero of many of the cockpits in Star Wars," he says. Lange didn't do blueprints, but worked directly with the prop crew, the exception being Lange's lost technical drawings for the Falcon landing gear."





zu den Sequels habe ich u.a. diese Clips erstellt voller Begeisterung.

Joe Johnston: das junge Multitalent?

Apropos Oscar. Da gab es ja aber noch den als durch angeblich Pizza, Hamburger oder Teller inspirierten, wahren Gestalter des Falken: den damals 27 Jahre jungen Joe Johnston. Wenngleich, halt, er hat ja den Hamburgermythos als Unsinn betitelt...

Ganz nebenbei hat er

• als Nebendarsteller gearbeitet (Todessternlaser, Sturmtruppler),
• C-3PO beim Anziehen geholfen,
• Storyboards gezeichnet,
• mit Modellen Flugbahnen visualisiert,
• den Schnitt/ die Dailies begutachtet,
• die Landspeederrequisite getestet,
• einen Y-Wing gebaut und lackiert,
• den Falken gebaut, mit Greeblies versehen und lackiert,
• den X-Wing gebaut und mit Sprengladungen versehen,
• die Tantive IV gebaut und lackiert,
• das Landspeedermodell gebaut und lackiert,
• riesige Plexiglasflächen erst silber und dann schwarz lackiert für den Starfieldgenerator,
• tagelang tausende Löcher in Sternenhintergründe gestochert,
• den Todessternentlüftungsschacht, in den der Protonentorpedo geschossen wird, lackiert,
• auf Masonit geklebte Fotos vom Todessternschacht mit gemalten Details versehen,
• den Falken und den ersten Todesstern von Cantwell durchs Studio geschleppt und das Piratenschiffmodell von Cantwell angeschaut,
• die Jedi Training Remote manuell gedreht vor dem Bluescreen (der Motor wurde nicht genutzt).

Joe Johnston trägt ein Shirt der Marke 'Pignose': dieser tragbare, batteriebetriebene 5w-Gitarrennverstärker wurde entwickelt von Richard Edlund und Wayne Kimbell; Herr Edlund war als First cameraman (Miniature and optical effects unit) an der Produktion von Star Wars A New Hope beteiligt.



Joe Johnston: seine "Erklärungen" in Light and Magic (2022)

Herr Johnston hat in der Dokumentation "Light and Magic" im Jahr 2022 angegeben, dass er sich nicht genau erinnern könne... aber dann fielen ihm doch noch sehr erstaunliche Details ein: George Lucas kam aus unerklärlichen Gründen ("I don't remember if there wasn't anybody there to do it") ausgerechnet auf ihn zu, um ihn mit der Aufgabe zu betrauen, eine neues Piratenraumschiff in Rekordzeit ganz allein zu erschaffen. Herr Johnston war gänzlich unerfahren und ohne Abschluss ("I didn't graduate", "I had no idea what a storyboard was") und entsprechend sei er gestresst gewesen ob der gigantischen Herausforderung und Verantwortung. Aber als er zu Hause einen Stapel mit schmutzigen Tellern erblickte, dachte er, es sei ein enorm tolle und innovative Idee, einfach eine der bisher explizit verhassten UFO-Formen zu wählen. Flugs zwei Teller aufeinandergestellt und schon war die wahnsinnig extravagante, niemals zuvor gesehene Grundform erschaffen. Ein Kreis. Ui.
Dazu irgendwie ein Antrieb ("you know, somehow") und eine richtungsgebende Spitze ("and putting something in the front")und schon ist er da, der Falke.
Jetzt musste noch das gewünscht beizubehaltene Cockpit platziert werden. (Modelbauer Grant McCune bat angeblich darum, dass das Cockpit und die Radarschüssel beibehalten werden sollten vom komplett fertiggestellten Blockade Runner-Vorgänger. Aus irgendeinem Grund. [Tatsächlich war das Cockpit ja bereits in England als 1:1 Kulisse erstellt worden und sollte daher beibehalten werden...]
Dazu fallen Herrn Johnston aber jetzt noch weitere, sogar noch detailliertere Abläufe ein: er habe das Cockpit an der Seite platzieren wollen entsprechend der exzentrischen Position des Lenkrads in einem PKW. Um die Kreativität auf die Spitze zu treiben, habe er sogar das Cockpit auf die rechte Seite statt auf die linke Seite versetzt, da die Autos ja in den USA das Lenkrad alle auf der linken Seite hätten und das Herrn Johnston zu gewöhnlich erscheine.
Schließlich habe Joe einfach sechs schnelle, grobe Skizzen angefertigt, diese George präsentiert und dann sofort ohne weitere Pläne oder Zeichnungen direkt das Modell gebaut. Einfach so. Obwohl es das wichtigste, präsenteste, ikonischste und teuerste Raumschiff des Film werden sollte, von dem der Erfolg oder Misserfolg der ganzen elf Millionen Dollar teuren Produktion abhing. Keine Pläne, keine Zeichnung. Direkt das Modell. Das ist so unglaubwürdig wie widersprüchlich und unplausibel.
Dieser fadenscheinige Versuch, die fehlenden Pläne zu erklären, erscheint mir leider wenig glaubhaft. Selbst die nebensächlichsten Raumschiffe, wie der T-16 Skyhopper, wurden mittels detaillierter Baupläne (siehe 'Star Wars: The Blueprints', Seite 30 und 31) minutiös geplant und verfeinert, denn Modelle bauen kostet viel Zeit und Geld. Da George Lucas bereits ein Drittel des Budgets nur für das Piratenschiff (später Tantive IV) verbrauchte, waren beide Faktoren extrem kritisch: Zeit und Geld. In Folge 1 von "Light and Magic" wird zudem mehrfach darauf hingewiesen, dass stets sehr viele Spezialisten zusammenarbeiteten: die einen bauen ein Modell, das von anderen Spezialisten zuvor gestaltet wurde, die anderen wissen, welche Anforderungen für die Filmtricktechnik wichtig sind (Oberflächen, Details, Farben, Reflektionsverhalten, Mindestdicken von Elementen), wiederum andere kennen die Mechaniken und Notwendigkeiten für bewegliche Aufhängungen, Halterungen, Motoren und Lichter. Niemals wurde ein Modell nur von einer Person entworfen und gebaut. Aber dann sollte ja der unerfahrene Joe die Bildfläche betreten haben und George Lucas hat ihm dann die unmögliche Aufgabe anvertraut, die er auf unerkärliche Weise brillant bewältigte. I doubt it.



hier ist Doug Smith zu sehen, wie er die Lampen inspiziert, die benutzt wurden, um die Sternenhintergründe zu erstellen. Angeblich. Laut Buch. Aber tatsächlich ist hier natürlich zu sehen, wie die fluoreszierenden Lampen gereinigt werden für die hintergrundbeleuchtete Bluescreenfläche (mylar to reflect the fluorescent rear-lit bluescreen). Im Buch wird aber der "Starfield Generator" aber gut beschrieben: Plexiglas, welches erst silber und dann schwarz lackiert wurde, wurde von hinten beleuchtet. Zuvor musste für jeden Stern die schwarze Farbe weggekratzt werden. (so wie beim Todesstern). Die beiden Flächen waren jeweils 1,20 m x 2,40 m groß (four-by eight-feet sheets). Beim ersten Versuch entstand nur ein nicht überzeugendes Pünktchenmuster (Polka-Dot Look) und beim zweiten Versuch mussten sehr sorgfältig Sternennebel, Sternbilder und -Konstellationen erstellt werden. Joe Johnston hat diese aufwendige Arbeit, die scheinbar ewig dauerte, übernommen. (siehe "The Making Of Star Wars", Seite 227)




Die Spitze des Sandcrawlerentwurfs von Cantwell zeigt seine starke Verbindung zum NASA-Programm: die Ähnlichkeit zur Apollo-Mondlandefähre ist deutlich erkennbar. Die Landefähre hieß übrigens anfangs LEM. Lunar Excursion Module. Das Wort „Excursion" erschien jedoch einigen Entscheidern zu „frivol“ und man kürzte den Namen auf LM.
Zur Einordnung: „Bowl Keys Party“ war ein weit verbreiter Spaß zu der Zeit: Party, alle Autoschlüssel in eine Schüssel geben, ordentlich Drogen konsumieren (ja, auch Alkohol fällt unter diese Kategorie) und am Ende des Abends einen Schlüssel aus der Schüssel nehmen und mit dem zufälligen Besitzer nach Haus fahren über Nacht. Ja, das waren Zeiten.


(hier zum Apollothema noch ein Fund von mir: die Funksprüche des Suchdroiden in Episode 5 stammen aus der NASA-Mission Apollo 17. Direkt darunter, weil ich es so interessant finde, ein Side-by-Side-Vergleich der Saturn 5 im Jahr 1969 mit dem fliegenden Güllefass von Elmo Murks im Jahr 2023:)



Andererseits oder genau deswegen war man so auf der Hut vor sexuellen Themen in der Öffentlichkeit, dass man sogar die Darstellung von nackten Menschen auf den Weltraumsonden-Plaketten zensierte wie auf der Pioneer 10 und 11 Darstellung. Aber selbst diese Darstellung rief so viele verklemmte Persönlichkeiten auf den Plan, dass auch die codierten Farbbilder auf der Voyager Datenplatte (Golden Record) zensiert wurden: nur noch schwarze Silhouetten nackter Menschen waren erlaubt. Auch das waren Zeiten.
Aber dieses Bild mit winzigen, diesmal präziseren Details der Genitalien wurde dennoch heimlich hinzugefügt. Diesmal winkte sogar die Frau statt des Mannes.)

Nachtrag: meine Interpretation des Wortes "frivolous" war falsch. Es wurde benutzt in der Bedeutung von "leichtfertig, bedenkenlos" und nicht mit der sexuellen Konnotation, die es missverständlicherweise nur in der deutschen Sprache zusätzlich gibt. Da lag ich also klar daneben.

Joe Johnston hat also angeblich den Rasenden Falken gestaltet?

Nicht schlecht für jemanden mit so viel Berufserfahrung als Designer von Raumschiffen und mit derart viel technischem Hintergrund aus jahrelanger Wissenschaftskommunikation der NASA.
Ach nee, hatte er ja gar nicht. Als studentische Hilfskraft ohne Berufserfahrung und Abschluss wurde er nur für Storyboardzeichnungen und als Effektetechniker von Lucasfilm angestellt. Was für ein grandioser Glücksfall, dass er zusätzlich zu den ganzen Handwerkerleistungen auch noch das Kunststück vollbrachte, in ein oder zwei Tagen aus dem Nichts das wichtigste Raumschiff des Films, den Rasenden Falken, zu kreieren, wofür ganze Teams zuvor Wochen bis Monate brauchten.
Aber er war ja auch ein einzigartig talentierter Designer. Hier zum Beispiel sein Entwurf des Lasergeschützes.
Aber Moment mal... das hatten wir doch gerade irgendwie schon einmal... Hier oben also auf der rechten Seite der Lasergeschütz-Entwurf vom preisgekrönten Harry Lange (British Academy Film Award und Oscar-Nominierung für bestes Szenenbild in 2001: Odyssee im Weltraum im Jahre 1969) und auf der linken Seite die Zeichnungen von Johnston.
Beide Zeichnungen nebeneinanderbetrachtet sind doch die Ähnlichkeiten frappierend. War sicher nur ein Zufall.
Darunter jedoch nun also Johnstons einzigartiges Design der Laserkanone. Und hier eine Konzeptzeichnung von Kurt Lange gegnübergestellt. Was. Ist. Hier. Los?
Und warum schreibt Herr Johnson den Namen des Millennium Falcon auf mindestens acht Zeichnungen falsch mit einem fehlenden 'n' (also "Millenium Falcon)"?


Wir behalten diese Auffälligkeiten im Hinterkopf und gehen weiter zu einem wichtigen Konzept der Kreativen:

Alte Dinge neu und anders nutzen, um Neues zu schaffen

Hier einige der ersten Entwürfe von Kurt Lange: die Form der Discovery sah sehr langgestreckt aus. Colin Cantwell hat sich klar daran orientiert, um die Tantive IV zu gestalten: Hier nun eine libellenartige Seitenansicht aus 2001 (Lange) gefolgt von der der geänderten Form der Düsen der Tantive IV (Cantwell).
Cantwell hat also einfach die Seitenansicht des Discovery-Hecks genommen und als Heck der Tantive IV benutzt. Das ist Kreativität. Das meine ich ganz ohne Ironie.

Wie man also Pläne von bekannten Dingen nutzen kann, um etwas Neues zu schaffen, kann man hier auch schön erkennen:

Man kann aber auch den Weg abkürzen und einfach ein bestehendes Objekt nur ein wenig abändern, um es als Kreation zu präsentieren:

Die Lockheed SR-71, deren Vorgänger Teil des beliebtesten Jungennamens in Heißluftverkäuferkreisen wurde (X AE A-12) und das glänzende Royal Starship, die sowjetische Aufklärungsdrohne TU-143 und die Viper aus Kampfstern Galaktica, eine NASA-Studie von Herrn Lange aus den 60er Jahren und eine Illustration des Falken von Herrn McQuarrie mit der Pilotenkanzel noch ganz innerhalb der runden Struktur (ohne dass diese heraussteht wie im finalen Design).
Schließlich einige Gegenüberstellungen von Szenen aus Jindřich Poláks "Ikarie XB-1" (1963) und 2001.
Ich erinnere an den Anfang mit der Gegenüberstellung von Metropolis und Blade Runner.
Der weiße Tunnel hat übrigens die charakteristischen schwarzen Streifen, um in Schwerelosigkeit das Gehen auf den Gravitations-Klettstreifen (Grip Shoes) in jeder Orientierung im Raum zu ermöglichen.
Aber auch der Film von Charles H. Schneers "First Men in the Moon" (1964) zeigt erstaunliche Übereinstimmungen.
Kubrick hat sich viele Filme im Vorfeld angesehen und First Men in the Moon gefiel ihm. Ein wenig. Die anderen alle nicht. Gar nicht.
Herr Lange später sehr elegant genreverbindend einen Spiezeug-Tie-Fighter als Cyborg-Auge für seine Kreation des SkekTek (gesprochen von Mark Hamill) in "Der Dunkle Kristall" benutzt.









 
 

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